CptKlotz hat geschrieben:Seltsame Sache mit DOOM...
Ist Gewalt eigentlich weniger verwerflich/jugendgefährdend, wenn die Grafik schlecht ist oder das Geschehen "comichaft" ist?
Kinder und Jugendliche können schon sehr früh zwischen einem Spiel und der Realität unterscheiden. Wenn die dargestellte Gewalt als Teil eines Spieles erkannt werden kann, dann ist es weniger jugendgefährdend.
Wann ist das Geschehen in einem Spiel eigentlich comichaft? Ist das nur eine Frage der Grafik? Ansonsten könnte man vermutlich fast jeden 3D-Shooter als "comichaft" einstufen. Ich habe z.B. noch nie einen Menschen gesehen, der 9 Waffen und hunderte Schuß Munition mit sich herumschleppen kann... geschweige denn, jemanden, der eine Maschinengewehr-Salve überlebt und nach einsammeln eines "health packs" wieder kerngesund ist

Jedes Spiel ist comichaft, solange es als Spiel erkannt werden kann. Ich bezweifel das Kinder die wissentlich spielen dieses Aktivität als reale Gewalt bewerten. Auch wenn das Spiel beispielsweise mit einem Pfeil und Bogen(Spielzeug) in der realen Welt gespielt wird, dann weiss man bereits als Kind wann aus dem Spiel ernst werden kann, wenn man verletzende Aktionen macht und man beispielsweise auf den Kopf zielt und sein Spielkamarad dadurch schmerzhaft verletzt werden könnte. Deswegen schiesst man allenfalls auf den Rumpf, wo es nur ein bischen zwickt und keine Augen getroffen werden können. Das man bei einem virtuellen Spiel am PC keinen Menschen weh tuen kann, das weiss jedes Kind noch bevor ein Kind die Tastatur oder die Maus zu bedienen lernt. Verwechslungen sind hierbei völlig ausgeschlossen, da Spielzeuge sehr wohl als solche auch erkannt werden. Jedes Kind welches in der realen Welt spielt, das hat sich beim Spielen auch schon mal etwas weh getan, so das es danach weiss, dass beim Spielen in der realen Welt sehr leicht die Möglichkeit besteht, dass aus einem Spiel schnell eine schmerzhafte Realität werden kann und man dann zunächst nicht mehr weiter spielen kann. Über gute oder schlechte Grafik bei einem PC-Spiel brauchen wir in diesem Zusammenhang überhaupt nicht mehr zu reden, da völlig irrelevant, bzw. gar keine Verwechslung zur realen Welt möglich ist. Wenn ein Kind das noch nicht unterscheiden kann, dann ist es auch noch nicht in der Lage eine auf dem Bildschirm/Fernseher dargestelle Gewalt als solche zu erkennen, oder dieses Geschehen auf die reale Welt zu übertragen. Dann sieht es nur seine Eltern mit einem flimmernden Dings herumhantieren, ohne überhaupt zu erkennen was es damit auf sich hat. Wie die Eltern sich dabei verhalten das erkennt das Kind aber schon sehr viel früher. Und so ist das soziale Verhalten der Eltern weitaus prägender für ein Kind, als irgendeine Flimmerkiste es jemals sein könnte.
In der realen Welt beim Spielen mit anderen Kindern lernt ein Kind es was schmerzen bereitet und genau hierbei lernt es die Grenzen zwischen einem Spiel und der schmerzhaften Realität kennen. Diese Erfahrungen sind dann auch weitaus prägender als bei einem Spiel, wo es überhaupt nicht möglich ist das man schmerhaft verletzt wird und genau das merken alle Kinder sehr schnell, dass von einem PC-Spiel überhaupt keinerlei reale Gefahren und auch keine reale Gewalt ausgeht. So besteht mehr reale Gewalt beim Streiten wer zu erst am PC spielen darf, als beim Spielen eines Spieles, völlig unabhängig davon welches Spiel man überhaupt spielen möchte.
Ich denke nach wie vor, daß DOOM nicht in Kinderhände gehört, aber ein normal entwickelter 16-jähriger sollte es eigentlich durchaus spielen können.
Solche Bedenken habe ich nicht, denn das Sozialverhalten das die Eltern vorleben und welches von den Kindern nachgemacht und untereinander ausprobiert wird ist weitaus entscheidender, als jede Aktivität die in einem Spiel nur gespielt wird.
Ich glaube nach wie vor, daß das Prinzip "Eltern achten drauf, was ihre Blagen so konsumieren" erfolgversprechender ist als ein "Index", der schon fast als "Einkaufsliste" dienen kann, auf der steht, welche ultrabrutalen Spiele man keinesfalls verpassen darf. Bei uns in der Schule haben wir damals auch schon Witze über den "BPjS-Award" (besonders spielenswert!) gemacht

Es kommt nicht so darauf an was gespielt wird, sondern wie gespielt wird. Auch sehe ich darin ein Problem wenn Kinder es herausfinden das ein angeblich gefährliches Spiel gar nicht so gefährlich ist, wie von Erwachsenen behauptet wird.
Dann lernt man das man Erwachsenen nicht trrauen kann und das Erwachsene Kinder belügen. Zum Generationskonflickt ist es dann nur noch ein klitzekleiner kleiner Schritt.
Darin sind wir wohl Weltmeister verschieden Generationen gegeneinander aufzuhetzen und die Springerpresse ist hierbei führend (wie beim RTL-Beitrag zur Gamescom wieder einmal sehr deutlich erkennbar wurde.)
Dirk