Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

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RobertK
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Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon RobertK » Sa 10. Dez 2016, 10:39

Hier darf ich euch nun meinen allerersten eigenen Computer vorstellen: einen 1989 gekauften Turbo-XT (8088, 4.77/8 MHz) von 3C mit aufgerüsteten 640 KB RAM (ab Werk waren 256 MB KB drinnen). 3C steht für "Creative Computing Concepts", das war eine kleine Wiener Firma, die mit Teilen aus Taiwan zusammengestellte PCs verkauft hat.

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2012-04-06_3C_TurboXT_01_800px.jpg (84.37 KiB) 4788 mal betrachtet

Irgendwann in den Nuller-Jahren ist der Rechner plötzlich nicht mehr richtig gestartet: manchmal blieb er beim Speichertest hängen, manchmal kam er aber gar nicht so weit (nach dem Einschalten hat nur der Cursor geblinkt).

Jahre später habe ich dann die Ursache gefunden (2. Foto): der blöde Akku der Schnittstellenkarte war ausgelaufen und hatte auf das Mainboard gesabbert!

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2012-04-06_3C_TurboXT_05_800px.jpg (114.64 KiB) 4788 mal betrachtet

Nach der Reinigung mit Essigessenz und Isopropanol hat es gar nicht mehr so schlimm ausgesehen (3. Foto). Man erkennt aber, dass einige Leiterbahnen beschädigt worden sind - ich glaube, es sind ca. 12 Stück.

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2012-09-05_3C_TurboXT_PlatineNachReinigung_03_800px.jpg (139.88 KiB) 4788 mal betrachtet

Am 4. Foto seht ihr noch einen Größenvergleich: das Ganze hat zwar nicht so mikroskopische Ausmaße wie die Rechner späterer Jahre, aber dennoch ist das alles ziemlich filigran.

2015-04-09_3C_TurboXT_Platine_Akkuschaden_800px.jpg
2015-04-09_3C_TurboXT_Platine_Akkuschaden_800px.jpg (103.37 KiB) 4788 mal betrachtet

Meine Frage nun an euch: glaubt ihr, dass sich sowas reparieren lässt??

Wenn ja: wie? Mit Kabelbrücken? Oder indem man die Bahnen "mit Leitsilber nachfährt"? (wie funktioniert das eigentlich genau, und geht das auch bei derart knapp nebeneinander liegenden Leiterbahnen?)

Da ich zwei linke Hände habe: findet ihr auch, dass ich besser die Finger von so einer filigranen Arbeit an einem Gerät mit derart hohem persönlich-ideellen Wert lassen sollte?

Gibt es möglicherweise in Wien oder Wien-Umgebung einen erfahrenen Bastler, der mir diese Reparatur gegen finanzielle Belohnung durchführen könnte? Wenn ja, dann bitte um eine PM.
Zuletzt geändert von RobertK am So 11. Dez 2016, 22:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon Dosenware » Sa 10. Dez 2016, 11:47

(ab Werk waren 256 MB drinnen).

wäre sicher cool in einem XT 8-)

Zum Thema:
bekommt man alles hin, du kannst ja mal mit einem Multimeter die Leiterbahnen durchmessen (am besten im Widerstandsmessbereich - der Durchgangstest selbst ist unzuverlässig).

Was unterbrochen ist lässt sich dann mit etwas Draht wieder richten.
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon matze79 » Sa 10. Dez 2016, 13:13

Also hier lässt sich das ganz sicher reparieren.
Ist ja nicht hochintegriert :)

Evtl. muss man auch IC's tauschen wenn es die Batterie geschafft hat diese zu Schädigen.
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon RobertK » So 11. Dez 2016, 23:05

Danke für eure Antworten, das ist ja ermutigend. Also besser doch kein Leitsilber, sondern Kabelbrücken. Dennoch ist sowas für mich ziemlich heikel, mein Aufruf an die Bastler in und um Wien gilt immer noch.

Durchgemessen habe ich die Leitungen schon (sowas schaffe ich gerade noch), und dabei habe ich festgestellt, dass die Bahnen wirklich durchtrennt sein dürften. Da mein billiges Multimeter gar keinen Durchgangstest hat, verwende ich für sowas immer den Diodentest.

Ja, die zwei ICs links am 4. Foto unterhalb des Maßbandes haben ein wenig von der Säure abbekommen. Zumindest der untere davon (SN74LS245N) ist noch erhältlich.
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon Dosenware » Mo 12. Dez 2016, 04:15

nimm lieber den Widerstandsmessbereich, ist der Widerstand bedeutend höher als bei einer unbetroffenen Leiterbahn, stimmt etwas nicht. (wir hatten hier schon Leiterbahnen die 30Ohm hatten - zwar immernoch Durchgang, aber es hat gereicht damit das Board nichts mehr macht.)
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon matze79 » Mo 9. Jan 2017, 16:21

https://www.reparatur-initiativen.de

Vieleicht gibts ja bei euch ein Repair Cafe wo du einen Bastler findest ? :)
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon RobertK » Mo 9. Jan 2017, 17:18

Jetzt, wo du es sagst, fällt es mir wieder ein:
http://repaircafe.wien/
Das ist sogar nur 10 Minuten mit dem Auto von mir daheim entfernt!
Ich werde vielleicht mal mit den ausgedruckten Fotos dort vorbeischauen, dann sollten die mir wohl sagen können, ob die sich das zutrauen. Die Reparatur soll natürlich unter der Prämisse erfolgen, dass der Schaden ja nicht noch weiter vergrößert wird...
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon Beckenrandschwimmer » Di 10. Jan 2017, 10:00

Dann bitte berichten, ob es was mit dem Reparatur Café wird :)
Nun bin ich eher hier zu finden:
http://dosreloaded.de
http://dosreloaded.de
Da treiben sich viele Freaks rum :)
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon matze79 » Do 12. Jan 2017, 06:01

Alternativ kann man ja auch das Mainboard tauschen.
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon RobertK » Do 12. Jan 2017, 10:10

Wo bekommt man denn noch so ein Turbo XT-Motherboard her?
Sind die nicht auch alle genauso konsequent entsorgt worden wie die ganzen PCs aus dieser Zeit?
Ein 286er- oder 386er-Board möchte ich eher nicht einbauen, das Innenleben soll schon zeitgenössisch bleiben.
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon nicetux » Di 17. Jan 2017, 21:44

Hin und wieder tauchen XT Mainboards in der Bucht auf. Ich habe für meinen Selbstbau XT auch ein Board geschossen dort für 20€ damals zzgl. Versand. Darius hat ja auch eines aus Südamerika (wimre) geschickt bekommen zu einem guten Preis.
.....
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon Multisync » Fr 27. Jan 2017, 10:05

Hab den Thread gerade erst gesehen. Also ich würde den kritischen Bereich, der auf dem Foto zu sehen ist, zuerst mal vorsichtig mit dem Glasfaserpinsel abschleifen. Erst dann sieht man wirklich, ob Leiterbahnen durch sind. Ab einer gewissen Anzahl beschädigter Leiterbahnen wirds dann aber tatsächlich unschön, vom Reparaturaufwand her und auch wie das Board nach der Flickerei aussieht. Aber wie gesagt, zuerst mal abschleifen.
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon RobertK » Sa 28. Jan 2017, 16:02

Ok, danke für den Tipp. Mit dem Glasfaserpinsel wird wohl der Schutzlack abgeschabt.

Aber erklär mir noch bitte kurz: weshalb "sieht" man das dann besser, ob die Bahn durch ist, als man es mit dem Durchgangs- bzw. Widerstandstest eines Multimeters sehen würde?

Wie gesagt, mit dem Multimeter habe ich festgestellt, dass ca. 12 Bahnen durchtrennt sein dürften.

Aber ich wollte eh irgendwann mal ins Reparaturcafe schauen - mal sehen, was die dazu sagen.
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon matze79 » Mi 15. Feb 2017, 17:14

Du kannst dir natürlich auch einen Bausatz bestellen:
http://www.mtmscientific.com/pc-retro.html

Und dir ein neues Board zusammenbasteln.
Für 640Kb brauchst du da aber noch eine RAM Karte zusätzlich.
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Re: Turbo-XT mit Akku-Schaden: Reparatur möglich?

Beitragvon RobertK » Sa 18. Feb 2017, 15:21

matze79 hat geschrieben:Du kannst dir natürlich auch einen Bausatz bestellen:
http://www.mtmscientific.com/pc-retro.html
Und dir ein neues Board zusammenbasteln.
Für 640Kb brauchst du da aber noch eine RAM Karte zusätzlich.

Das ideale Geschenk für Löt-Masochisten! ;-)
Ja, das kenne ich schon, ist aber mit meinen Lötfähigkeiten nicht machbar (und außerdem wäre mir ein XT-Board der späteren Generation lieber).

Update: ich war mittlerweile im Repair-Cafe. Das Ergebnis vorneweg: leider negativ. :-(
Aber immerhin habe ich das Gefühl, dass meine Geldspende sinnvoll war, das ist eine wirklich gute und lobenswerte Initiative. :like:

Der dortige Reparateur hat die notwendigen Kabelbrücken (ich glaube 11 Stück) angelötet, was eine ziemliche Arbeit war (vor allem das Nachverfolgen der betroffenen Leiterbahnen). Aber er war bis zum Schluss guter Laune. :-)
Doch leider: daheim habe ich es ausprobiert, und der PC gibt nach dem Einschalten nur einen Dauerpiepton von sich, und der Bildschirm zeigt nur einen blinkenden Cursor.

Ich werde vielleicht nochmal prüfen, ob evtl. eine Kabelbrücke vielleicht doch falsch verlegt worden ist, und dann gebe ich es mit diesem Board auf (auch wenn man mir dort gesagt hat, ich solle nochmal vorbeikommen, wenn es noch nicht funktioniert). Vielleicht sind doch auch ein oder zwei ICs von der Batteriesäure defekt geworden.

Mittlerweile ist übrigens doch ein Turbo XT Mainboard bei einem Internet-Auktionshaus aufgetaucht, allerdings ungeprüft (ein kaputtes Board habe ich selber) und zu einem unter diesem Umständen zu hohen Preis. Ich werde aber weiter nach einem Ersatz-Board Ausschau halten - das kann ruhig aus Übersee kommen, der Versand würde ja nicht so teuer sein.

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